vermöbeln
In der Arbeit vermöbeln/furniture fury kombiniert Schirach eigene Fotografien ihrer sich im häuslichen Alltag raufenden Kinder mit Werbeanzeigen exquisiter Wohnmöbel. Beides Bildmaterial stammt aus 2012-2025 und ist immer entsprechend den Jahren identisch montiert. Hautnah erlebtes heimisches Chaos fügt sich harmonisch in menschenleere Sofa-Landschaften. Während die Kinder immer größer werden, bewegt sich in der Werbung gar nichts. Das zeitlose Design der teuren Wohnraum-Reklame garantiert den Fotografien der unentwegt miteinander ringenden Söhne eine stimmige Bühne. (Damit hat die Fotografin nicht gerechnet).
>>> Aus dem Pressetext zur Ausstellung im Haus am Kleistpark, 2026 <<<<



Am ersten Tag sagte sie zu jedem von ihnen: Ich gebe dir zu essen und zu trinken und alles, was du brauchst. Nein. Letzteres werde ich dir nicht geben.
Du musst auch was selber machen.
Sie schuf ein kleines Bett und Kuscheltiere und ein eigenes Zimmer neben ihrem Zimmer. Sie nannte es Kinderzimmer, und weil sie die Kraft hatte und sah, dass es gut war, schuf sie im Laufe der Zeit mehrere davon.
Sie schuf ein Zimmer für alle. Sie nannte es Küche.
Sie schuf eine Klingel, damit Menschen sich aufmerksam machen konnten.
Sie schuf einen Kamin, weil die alten Heizkörper nicht genug Wärme abgaben.
Sie schuf manchmal nur die Idee und fand dann andere, die das umsetzten, was sie sich ausgedacht hatte (wie den Kamin zum Beispiel).
Sie schuf Regale für Bücher in unterschiedlichen Größen. Sie schuf Geodreiecke für Federmäppchen. Sie schuf Turnschuhe. Sie schuf erst Kassetten, dann CDs und dann Spotify und mit Spotify den Gedanken, dass das nicht die beste Lösung sei. Sie schuf einen Plattenspieler und verschenkte ihn wieder, weil er nur rumstand und zu wenig benutzt wurde. Sie schuf den neuen Wunsch nach einem Plattenspieler.
Sie schuf Türen und Türklinken zum Auf- und Zumachen. Sie schuf einen Staubsauger, den nur sie selbst bedienen würde. Sie schuf Müll, den nur sie selbst wegschaffen würde. Sie schuf schlechte Eigenschaften an sich selbst. Sie schuf verbrannte Curly Fries und sie schuf einen schlecht gefüllten Kühlschrank. Sie schuf keine Not. Sie schuf Krankheiten und Sorgen. Sie schuf wenig Geld und sie schuf Lustiges. Sie schuf Mut und Neugierde und Zuversicht, und als alle endlich gegangen waren, schuf sie ein Meer aus Tränen.
Und es war gut.
On the first day she said to both of them: I will give you food and drink and everything you need. No. I will not give you the latter.
You will have to do some of it yourselves as well.
She created a little bed, soft toys, and a room of one’s own next to her room. She called it the children’s room, and because she had the energy and saw that it was good, she created several of them over time.
She created a room for everyone. She called it the kitchen.
She created a doorbell so that people could draw attention to themselves and make themselves heard.
She created a fireplace because the old radiators were not providing enough heat. Sometimes she just created an idea and then found others who put into practice what she had thought up (like the fireplace, for example).
She created shelves for books in different sizes. She created set squares for pencil cases. She created sneakers. First she created cassettes, then CDs, and then Spotify, and with Spotify the thought that this was not the best solution. She created a record player and gave it away again because it was only sitting around and was used too seldom. She created the new desire for a record player.
She created doors and door handles to open and close. She created a vacuum cleaner that only she would use. She created trash that only she herself would get rid of. She created her own bad character traits. She created burned curly fries and a badly stocked fridge. She did not create misery. She created sickness and concern. She created little money and funny things. She created courage and curiosity and confidence, and after everyone was finally gone, she created a sea of tears.
And it was good.